Zeitstempel und Vertrauen

Was „vertrauenswürdig“ heißt, wer darüber entscheidet — und warum ein Zeitstempel eine abgelaufene Signatur rettet.

Ein Prüfergebnis hat zwei Ebenen, die leicht verwechselt werden.

Strukturell gültig heißt: Signatur und Datensatz sind unversehrt, die Datei wurde nach dem Signieren nicht verändert. Ein selbstsigniertes Manifest erfüllt das ebenfalls.

Vertrauenswürdig heißt zusätzlich: Das Zertifikat des Unterzeichners führt auf einen Anker der offiziellen C2PA-Liste zurück.

Die beiden Ebenen beeinflussen sich nicht

Konnte die Vertrauensprüfung nicht laufen, bleibt das Ergebnis bei „nicht vertrauenswürdig“ — die strukturelle Aussage bleibt davon unberührt.

Umgekehrt macht weder ein abgelaufenes Zertifikat noch ein fehlender Zeitstempel eine unversehrte Datei „ungültig“.

Wofür der Zeitstempel da ist

Signaturzertifikate laufen ab — oft nach wenigen Jahren. Ohne Zeitstempel wäre jede damit signierte Datei danach nicht mehr vertrauenswürdig, obwohl zum Zeitpunkt des Signierens alles in Ordnung war.

Der Zeitstempel bezeugt, wann signiert wurde, und rückt die Signatur damit in das Gültigkeitsfenster ihres Zertifikats zurück. Eine fremde Datei mit längst abgelaufenem Zertifikat liest sich deshalb weiterhin als gültig und vertrauenswürdig.

Fehlt er, sagt die Prüfseite:

Der Signierzeitpunkt stammt aus keiner vertrauenswürdigen Quelle. Wann signiert wurde, ist damit nicht belegt.

In der Herkunftskette steht dann „ohne Zeitstempel“.

Was beim Signieren nach außen geht

Zum Signieren und zum Zeitstempeln wird nur eine Prüfsumme der Datei übertragen. Die Bilddaten selbst verlassen verstag nicht.

Den Zeitstempel stellt der offizielle C2PA-Zeitstempeldienst von SSL.com aus.

Wenn der Zeitstempeldienst ausfällt

Ist der Zeitstempeldienst nicht erreichbar, scheitert die Signatur und der Auftrag wird als fehlgeschlagen abgeschlossen — beim Bild wie beim Video. Du liest dabei eine allgemeine Absage, keine technische Meldung.

Der Fehlversuch verschwindet trotzdem nicht: Er steht als Ereignis „Signiert“ mit Ergebnis „Fehler“ im Content-Credentials-Nachweis.

Gelingt die Signatur, steht dort das Vertrauensurteil über das frische Manifest; im Export ist es in der Detailspalte lesbar, die Zertifikatsnummer in einer eigenen Spalte.

Wo du die Befunde siehst

Auf der Seite „Prüfen“. Dort stehen die Befunde beim dritten Prüfpunkt der Ergebniskarte, „Aussteller auf der Trust-Liste“. Einen Haken trägt er bei einem vertrauenswürdigen Signaturzertifikat ohne weiteren Befund. Der Zeitstempel steht bei der Angabe „Signiert am“: „ohne Zeitstempel“, wenn keiner da ist, und „Zeitpunkt nicht unabhängig bezeugt“, wenn er aus keiner vertrauenswürdigen Quelle stammt. Eine ohne Zeitstempel signierte Datei meldet beim Prüfpunkt nichts.

Der Prüfpunkt unterscheidet zwei Achsen: ein Warnzeichen, wenn die Datei selbst betroffen ist (Stufe „Warnung“), und einen Strich, wenn die Prüfung nicht stattgefunden hat (Stufe „Manuelle Prüfung“). Treffen beide zusammen, zählt die Warnung. Meldet die Prüfung einen unbekannten Status, steht er ebenfalls dort; der Prüfcode steht unter „Technische Details“.

In der Bibliothek gibt es diese Sätze nicht. Dort wird das Urteil auf vier Ausgänge eingedampft:

KennzeichenBedeutung
„Content Credentials geprüft“ · Siegel „Verifiziert“gültig und auf der offiziellen Liste
„Signiert · Aussteller unbekannt“ · Siegel „Nicht vertrauenswürdig“gültig, aber nicht auf der Liste
„Content Credentials fehlerhaft“ oder „Nach dem Signieren verändert“ · Siegel „Fehlerhaft“vorhanden, aber nicht gültig
„Ohne Content Credentials“ · Siegel „Ohne Nachweis“keine Content Credentials

Zwei Zeiten, die man nicht verwechseln darf

„Signiert“ an einer Ausgabe in der Bibliothek ist die Uhr zum Zeitpunkt des Renderlaufs.

Die Zeit in der Herkunftskette stammt aus dem Manifest selbst.

Die beiden können auseinanderliegen, und keine von beiden ist automatisch die bezeugte Zeit aus dem Zeitstempel.

Konformität, nicht Zertifizierung

verstag steht als konform auf der Conforming Products List der C2PA. Eine Zertifizierung wäre eine Prüfung durch eine dritte Stelle; die gibt es hier nicht.